Fernbeziehung China – Österreich

Interview I aus unserer Reihe Erfahrungsberichte zum Thema Fernbeziehung:

Christina und Steve, 4jährige Fernbeziehung Österreich – China

Christina, du und dein Mann Steve habt für fast vier Jahre in einer Fernbeziehung gelebt. Du hast in Österreich gelebt, dein Freund in China, mehr als 8000 km und viele viele Flugstunden voneinander entfernt. Inzwischen seid ihr verheiratet und die Zeit der Fernbeziehung liegt hinter euch. Vielen Dank, dass du dir heute die Zeit nimmst, unseren Lesern von deinen Erfahrungen zu berichten!

Wie kam es zu der Fernbeziehung?
Wir haben uns in China kennengelernt, in meinem Auslandssemester. Wir waren beide noch nicht mit dem Studium fertig, somit wohnte jeder in dem Land, in dem er sein Studium begonnen hatte.

Was ist das schwierigste am Führen einer Beziehung auf Distanz?
Für mich waren es die Abschiede, immer mit der Aussicht darauf, sich 4-7 Monate nicht zu sehen. Sehr schwierig war es auch an Feiertagen und zu anderen besonderen Anlässen, allein zu Treffen zu gehen bei denen alle anderen zu zweit waren. Besonders die erste Woche nach dem Abschied war schwer, vor allem, wenn der Partner da war und wieder weggeflogen ist (derjenige zu sein, der wieder fährt ist immer einfacher als der zu sein, der „bleibt“). Dann war es ungefähr eine Woche lang sehr einsam und traurig, weil man gewohnt war, den anderen da zu haben. Ebenso empfand ich den ersten Wiedersehens-Tag eigenartig und überhaupt nicht himmelhochjauchzend (also so wie man das aus dem Fernsehen kennt – so hatte ich mir das nämlich beim ersten Wiedersehen vorgestellt). Ich hab mich zwar total gefreut, ihn wieder zu sehen, aber eigentlich war es so „ach, du bist da, gut, ist so wie immer“ – das ist etwas schwer zu erklären, es war so, als ob wir gar nie getrennt gewesen wären und dementsprechend das Wiedersehen gar kein Über-drüber-Event war.

Gibt es auch Vorteile? Wenn ja, welche?
Man nutzt die gemeinsame Zeit intensiver; und man hat viel Zeit für sich selbst;

Wie oft habt ihr euch damals gesehen?
2x im Jahr, für jeweils ein bis drei Monate

Wie habt ihr zwischen den Treffen Kontakt gehalten?
Eigentlich hauptsächlich über Telefon und Internet (Skype), selten Briefe, Mails und Pakete

Was möchtest du unseren Lesern noch mitgeben? Hast du einen Tipp, z. B. was das Leben in einer Fernbeziehung leichter macht? Worauf sollte man besonders achten?

  • Es ist wichtig, dass ein Ende bei der ganzen Fernbeziehungsgeschichte rausschaut. Ich habe Freunde, bei denen die Beziehung deswegen gescheitert ist, weil einfach kein Ende der Fernbeziehung in absehbarer Zukunft in Sicht war.
  • Man muss überzeugt sein, dass der Partner der richtige ist und aufkommende Eifersucht über Bord werfen. Denn 1. glaube ich nicht, dass es sich lohnt die Strapazen einer Fernbeziehung auf sich zu nehmen und sich dann doch zu trennen und 2. ist Eifersucht auf die Distanz hin noch zerfressender und für den anderen noch lästiger; man muss vertrauen, sonst braucht man gar nicht mit einer Fernbeziehung zu beginnen.
  • Ich fand sehr wichtig jeden Tag zu telefonieren, sonst weiß man nicht mehr was im Leben des anderen passiert und lebt sich auseinander. Ohne die täglichen (mindestens 1x pro Tag, meist 2x, manchmal noch öfter; durchschnittlich zwischen 20min und 2 Stunden) Telefonate hätte ich die Fernbeziehung so lange sicher nicht ausgehalten.
  • Ich weiß nicht wie es mir in einer Wochenendbeziehung gegangen wäre. Weil wir hatten zumindest meist 3 Monate gemeinsam und dann 4 Monate getrennt, also gab’s entweder ganz oder gar nicht. Ich glaube, für mich war das einfacher, als sich beispielsweise nur am Wochenende zu sehen, das kommt mir so „immer nur halb“ vor, kaum hat man sich wieder „aneinander gewöhnt“ muss man sich schon wieder „trennen“. (also ein Tipp war des jetzt keiner, nur ein Gedanke ;) )
  • Man darf nicht mit Geld knausern, Fernbeziehungen sind teuer. Ich hatte das Glück, eine sehr günstige Telefonverbindung auftreiben zu können (günstige Zugangsnummern aus dem Internet oder prepaid Calling Cards) trotzdem kam meine durchschnittliche Telefonrechnung auf 100 EUR im Monat (Festnetz) und meist noch mehrere 10-Euro-Calling Cards und Skypeguthaben; dazu die Langstreckenflüge und Visakosten.

Vielen Dank für das Gespräch & alles Gute euch beiden!

Weitere Interviews:
Erfahrungsbericht Fernbeziehung Österreich – Spanien I
Erfahrungsbericht Fernbeziehung Spanien – Österreich II